Jubel bei der U18m nach dem Halbfinaleinzug. - Foto: Dragana Stjepanovic
Jubel bei der U18m nach dem Halbfinaleinzug. - Foto: Dragana Stjepanovic

Mit der besten Turnierleistung ins EM-Halbfinale

06.08.2026 | U-Teams

 

Deutsche U18 kämpft den großen Favoriten Island nieder und trifft nun auf Spanien

60 Minuten in Führung dank 60 Minuten Kampf – und nun im Halbfinale: die männliche U18 des Deutschen Handballbunds hat sich bei der Europameisterschaft in Serbien für eine unglaubliche Leistung belohnt und den großen Turnierfavoriten Island im Viertelfinale mit 33:31 (16:15) geschlagen. „Ich freue mich total für die Jungs, denn das war wieder ein wertvoller Schritt in ihrer Entwicklung. Sie haben sich sehr mutig in die 5:1-Deckung reingeworfen und haben mit viel Leidenschaft und gleichzeitig taktisch klug gespielt. Gerade das Abwehrverhalten zeigt diese tolle Entwicklung, im Angriff hatten wir immer noch Schwierigkeiten uns durchzusetzen, aber wir werden besser“, lobt Bundestrainer Erik Wudtke sein Team. 

Nach den unglücklichen Hauptrunden-Niederlagen gegen Slowenien und Frankreich und dem etwas glücklichen Einzug in die K.o.-Runde zeigte das DHB-Team seine beste Turnierleistung. Neben Torwart Tjorven Knackstedt (VfL Eintracht Hagen) überragten im Angriff Julius Eisend (THW Kiel, bester Werfer mit neun Treffern) sowie die Magdeburger Malte Elze (7) und Tim Thielicke (6). Dieses Trio erzielte 22 der 33 deutschen Tore. „Julius Eisend war vorne und hinten überragend, „Knacki“ Knackstedt hat vor allem vor der Pause viele freie Bälle gehalten und auch Spieler, die zuvor wenig Anteile hatten, wie Elvis Kretzschmar mit vielen Assists, haben Akzente gesetzt“, sagt Wudtke. 

Am morgigen Freitag (17 Uhr) spielt die DHB-Auswahl im Halbfinale gegen Spanien, das Frankreich im Viertelfinale mit 29:27 bezwang. „Die Spanier werden uns mit ihrer offensiven Abwehr vor Aufgaben stellen. Aber nach der komplizierten Hauptrunde wird das Halbfinale wieder ein emotionales Highlight. Das Spiel gegen einen weiteren Topgegner bietet uns wieder tolle Momente, um zu lernen“, sagt Wudtke. Die weiteren Halbfinalteilnehmer werden am Abend in den Partien Dänemark – Kroatien und Slowenien – Ungarn ermittelt. Der Halbfinaleinzug war zudem ein besonderes Geschenk für Außen Tim Löhr, der am Donnerstag seinen 17. Geburtstag feierte.  

Wie intensiv die Partie gegen Island geführt wurde, zeigt die Statistik: eine Disqualifikation, zwei Rote Karten und 14 Zeitstrafen. Die deutsche Mannschaft zeigte eine bärenstarke erste Halbzeit gegen die bis dato beste Mannschaft des Turniers. In der Abwehr sicher, dahinter mit einem starken Torwart Tjorven Knackstedt, und im Angriff mit einer hohen Effizienz vor allem in den ersten 20 Minuten. Nachdem die ersten drei DHB-Treffer allesamt auf das Konto von Julius Eisend (THW Kiel) gegangen waren, setzte sich die Mannschaft von Erik Wudtke bis zur 15. Minute erstmals auf vier Treffer (10:6) ab. In einem sowohl temporeichen, aber auch hart geführten Spiel kamen die zuvor verlustpunktfreien Isländer wieder auf 10:11 heran – und erzielten nach der deutschen 16:13-Führung die beiden letzten Treffer der ersten Hälfte.  

Der große Aufreger drei Sekunden vor dem Pausenpfiff: Bei einem Gegenstoß rennt Logi Finsson in DHB-Torwart Knackstedt, der sich verletzt. Es kommt zu einer intensiven Rudelbildung beider Teams – die Folge: Finsson sah für das Foul die blaue Karte, ist somit fürs nächste Spiel gesperrt und DHB-Delegationsleiter Martin Heuberger erhielt Rot. Mit dem finalen direkten Freiwurf scheiterte Eisend aus der eigenen Hälfte am isländischen Torwart. 

Auch nach dem Seitenwechsel blieb es bei der Intensität, selten waren beide Mannschaften gleichzeitig vollzählig auf dem Feld. In der 44. Minute kassierte zudem der bis dato beste isländische Werfer Isländer Freyr Aronsson nach einem Ellbogenschlag gegen Julius Pöthke die nächste Rote Karte. Und auch Knackstedt blieb im Fokus: Nach einem Kopftreffer von Außen durch Alex Hallgrimsson sackte er verletz zusammen, musste erneut behandelt werden. Die Zeitstrafe gegen Isländer nutzte die DHB-Auswahl dann aber, um sich erstmals in Hälfte zwei auf vier Tore abzusetzen (24:20).  

Selbst nach drei isländischen Treffern in Folge ließ sich die DHB-Auswahl nicht aus der Ruhe bringen, sondern legte zum 27:23 nach. Aber die Wikinger gaben nicht auf und versuchten, mit einer offensiven Deckung die deutsche Mannschaft zu Fehlern zu provozieren – doch der Vorsprung betrug permanent mindestens zwei Tore. Neben Eisend setzten in dieser Phase die beiden Magdeburger Tim Thielicke und Kapitän Malte Elze die Akzente und nutzten die Freiräume. Elzes sechster Treffer zum 32:29 fünf Minuten bedeutete die Vorentscheidung, und wenige Sekunden vor dem Ende sorgte Elze mit dem Tor zum 33:31-Endstand für riesige Jubelstürme bei der deutschen Mannschaft. 

 „Island hatte mehr zu verlieren als wir. Sie waren bisher im Turnier noch nicht so gefordert gewesen. Daher war es unser Ziel, in ihre Köpfe zu kommen, dass sie gegen uns verlieren können. Und als sie angefangen haben nachzudenken, haben wir zugebissen“, sagt Wudtke, der von einem „absolut verdienten Sieg“ sprach. 

In Belgrad: Deutschland – Island 33:31 (16:15) 

Deutschland: Tobias Dengler (THW Kiel), Tjorven Knackstedt (VfL Eintracht Hagen); Tim Thielicke (SC Magdeburg/6/6), Moritz Detlefsen (SG Flensburg-Handewitt), Claudius Beuthner (THW Kiel), Julius Pöthke (TSV Burgdorf/1), Finn Meißner (SG Pforzheim/Eutingen), Kalle Gaugisch (JSG Balingen-Weilstetten), Vincent Faciejew (THW Kiel/3), Elvis Ernesto Kretzschmar (SC Magdeburg/3), Lenn Strobel (JSG Balingen-Weilstetten/1), Julius Eisend (THW Kiel/9), Toma Gadza (HSV Hamburg/3), Malte Elze (SC Magdeburg/7), Constantin Minning (SG Flensburg-Handewitt), Tim Löhr (Rhein-Neckar Löwen) – bester Werfer Island: Freyr Aronsson (7/4) 

Schiedsrichter: Braganca/Xavier (Portugal) - Zeitstrafen: Deutschland 14 Minuten, Island 14 Minuten, Rote Karten: Logi Finsson (Island/30.), Martin Heuberger (Deutschland (30.), Freyr Aronsson (44.) - Siebenmeter: Deutschland 6/6 – Island 7/5