Wenige Zentimeter fehlen zu Platz fünf
U20-EM: DHB-Team unterliegt Frankreich im Siebenmeterwerfen
Der deutschen U20-Nationalmannschaft männlich fehlten bei der Europameisterschaft in Rumänien nur wenige Zentimeter zum fünften Rang. Im Platzierungsspiel gegen Frankreich musste sich die DHB-Auswahl mit 35:36 nach Siebenmeterwerfen geschlagen geben. Eine Disziplin, die im Handball nicht allzu häufig zu erleben ist, mit der die Jahrgänge 2006 und 2007 aber schon gute Erfahrungen gemacht haben. Vor einem Jahr entschied man so das U19-WM-Finale gegen Spanien für sich. Diesmal hatte Schwarz-Rot-Gold haarscharf das Nachsehen. Zwei deutsche Versuche landeten an Latte beziehungsweise Pfosten, dem stand ein französischer Lattentreffer gegenüber. Viel knapper geht’s nicht. „Frankreich hatte heute das glückliche Ende auf seiner Seite. Es ist bitter, dass wir nicht gewonnen haben, aber insgesamt kann ich mit dem Turnier leben“, fasste U20/U21-Bundestrainer Martin Heuberger zusammen.
Lange Zeit sah es in Cluj so aus, als wäre bei Deutschland im achten Spiel des Turniers die Luft raus. Das Angriffsspiel hakte und die Abwehr fand eingangs keinen Zugriff auf die Equipe tricolore, die schnell mit 3:0 in Führung ging. „Die geistige Frische fehlte“, fand Heuberger. Gegen Mitte des ersten Abschnitts fand sein Team dann aber doch den Anschluss. Zwei Tore von Hans Lukas Willax bedeuteten das 7:9, Tom Wolf traf zum 9:11 ins leere Tor (21.). Weil die vom ehemaligen Wetzlarer Bundesliga-Profi Guillaume Joli trainierten Franzosen nach einer Auszeit drei deutsche Kreisanspiele abfingen und Samuel Dupuy sowie Noé Thuillier nicht zu halten waren, stand es nach 30 Minuten 17:12. Eine große Aufgabe für den U19-Weltmeister, an der sich zunächst nichts änderte. Bis zur 40. Minute untermauerte Frankreich seine Überlegenheit und erhöhte auf 24:17.
Heuberger hatte in der Zwischenzeit verschiedene Angriffsformationen versucht, von der zunächst keine so richtig stach. Aber Aufgeben ist nicht die Sache der DHB-Talente. Caspar Gauer leitete eine 6:2-Aufholjagd ein. Der Erlangener Willax, mit sieben Toren aus sieben Versuchen zu Deutschlands Mann des Tages gewählt, brachte sein Team zum 24:26 heran (48.). Erinnerungen an das furiose Finish aus dem ersten Vorrundenspiel, in dem Deutschland gegen Frankreich in den letzten neun Minuten einen Vier-Tore-Rückstand drehte, wurden wach. Heuberger: „Ich muss den Hut vor der Mannschaft ziehen, wie sie bei sieben Toren Rückstand alles reingehauen und an sich geglaubt hat.“ Es gab die Fortsetzung mit erstaunlichen Parallelen zur Partie vor anderthalb Wochen. Auch diesmal betrug die Lücke in Minute 51 vier Bälle (25:29), wieder gehörte die Endphase den Deutschen. Zwei Gegenstöße von Julien Sprößig führten zum ersten Ausgleich im ganzen Spiel (31:31, 56.). Danach hatten Heubergers Schützlinge noch einige Hürden zu meistern. Thuillier traf zum 32:31 für Frankreich, Noah Hensen heftig bedrängt das Lattenkreuz. Als Thuillier zum neunten von den uruguayischen Schiedsrichtern Cristian Lemes und Mathias Sosa, die vor drei Jahren Deutschlands triumphales U21-WM-Finale leiteten, antrat, kam Finn Knaacks Parade gerade zum richtigen Zeitpunkt. Monty Kleinsteuber blieb 15 Sekunden vor Schluss beim Strafwurf hingegen cool und egalisierte das Ergebnis. Weil Knaack gegen Kénissa Triau-Betares letzten Freiwurf rechtzeitig abtauchte und abwehrte, ging’s ins Siebenmeterwerfen. Die Lotterie endete pro Frankreich. „Wir hätten das Spiel mit etwas Glück auch in 60 Minuten für uns entscheiden können, aber das wäre des Guten vielleicht auch etwas zu viel gewesen“, kommentierte der Bundestrainer.
Für ihn beginnt nun die Zeit der ausgiebigen Turnier-Analyse, während die Spieler in die Saisonvorbereitung gehen. Heuberger: „Ich hoffe, dass die Vereine Fingerspitzengefühl zeigen und den Jungs ein paar Tage frei geben. Die Belastung war in letzter Zeit hoch für sie.“
Deutschland: Knaack, Durmic – Koschek (3), Kleinsteuber (5/4), Zink (3), Rohwer (1), Voß (1), Ankermann (4), Reichardt, Gauer (3), Hensen, Hein (1), Sprößig (5), Wolf (2), Willax (7).
Schiedsrichter: Cristian Lemes/Mathias Sosa (Uruguay).
Zeitstrafen: Deutschland 3 – Frankreich 2.
Siebenmeter: Deutschland 5/4 – Frankreich 9/8.