Lenn Strobel erzielte fünf Tore. - Foto: Lucija Begenisic
Lenn Strobel erzielte fünf Tore. - Foto: Lucija Begenisic

Viertelfinale trotz Niederlage

04.08.2026 | U-Teams

 

U18-EM: Deutschland dank Schützenhilfe weiter, jetzt gegen Island 

Erst die Dramatik, dann die Niedergeschlagenheit, dann das Zittern und schließlich der Jubel: Obwohl die männliche U18 des Deutschen Handballbunds auch das zweite Hauptrundenspiel bei der EM in Serbien verloren hatte, mit 28:29 gegen Frankreich – zog sie als zweitbester Dritter ins Viertelfinale ein. „Wir sind froh und glücklich, dass es mit dem Unentschieden gegen Serbien in der Vorrunde mit der Teilnahme fürs Viertelfinale gereicht hat. Die Jungs hatten zweimal gelitten, nachdem sie gegen Slowenien und Frankreich in der Hauptrunde unheimlich viel investiert hatten, beide Spiele aber knapp verloren haben. Sie sind für ihren Einsatz belohnt worden“, sagte Bundestrainer Erik Wudtke. 

Im Viertelfinale am Donnerstag trifft die deutsche Mannschaft auf Island. Gegen die „Wikinger“ hatte die Wudtke-Truppe das EYOF-Finale 2025 verloren, aber das Finale beim internationalen Turnier in Merzig im Dezember gewonnen. „Wir treffen auf die bisher beste Mannschaft des Turniers, die wir von einigen Begegnungen kennen. Die Isländer sind gespickt mit sehr guten Einzelspielern, sie spielen sehr clever, sehr erwachsen und sehr abgebrüht. Auf uns wartet ein großer Brocken, aber natürlich freuen wir uns darauf und werden den Isländern einen heißen Kampf bieten. Wir wollen unseren Traum weiter verwirklichen und im Turnier zu bleiben“, hofft Wudtke.  

Deutschland war am Dienstagabend nach der Niederlage gegen Frankreich gleich auf doppelte Schützenhilfe in den folgenden Partien angewiesen. Weil aber in der eigenen Gruppe I Serbien 24:29 gegen Slowenien verlor und die Hauptrunde punktgleich mit Deutschland als Vierter beendete und zeitgleich in Gruppe III die Färöer-Inseln 27:32 gegen Dänemark verloren und eine schlechtere Tordifferenz als die punktgleichen Deutschen hatten, wurde die DHB-Auswahl zweitbester Dritter – und steht in der Runde der letzten Acht. Sonst hätte man um die Plätze 9 bis 16 gespielt. 

Einen Tag nach der knappen und unglücklichen 28:30-Niederlage im ersten Hauptrundenspiel gegen Slowenien war auch die Partie gegen Frankreich der erwartet schwere Brocken und endete als echter Krimi, allerdings aus deutscher Sicht ohne Happy-End. Am Ende jubelten die Franzosen nach einer unglaublich intensiven Partie über den zweiten Hauptrundensieg und das Weiterkommen. 

Das 1:0 war die einzige Führung der DHB-Auswahl in den gesamten 60 Minuten. Dank einer starken Abwehr- und Torwartleistung setzte sich Frankreich bis auf 14:9 (21. Spielminute) ab, ehe das Team von Erik Wudtke wieder mehr Oberwasser gewann und dank einer tollen Aufholjagd zur Pause zum 16:16 ausglich. Ein entscheidender Faktor war die Umstellung auf die 5:1-Deckung, in der Julius Eisend als „Staubsauger“ eine überragende Partie lieferte. „Wir konnten die körperliche Wucht der Franzosen durch unsere 6:0-Deckung nicht stoppen, mit der 5:1-Variante und richtig viel Leidenschaft sind wir wieder zurückgekommen“, sagte Wudtke.  

Die Partie war wieder völlig offen. Doch gleich nach Wiederbeginn setzte sich Frankreich wieder ab, nach einem 0:3-Lauf zum 20:25 nahm Wudtke eine frühe Auszeit – dennoch änderte sich bis zum 22:28 nichts am Spielverlauf. „Man hat gemerkt, dass uns die Kräfte ausgingen. Wir haben in der Abwehr gekämpft, aber vorne haben wir den einen oder anderen Zweikampf verloren, obwohl wir einige frische Spieler gebracht haben“, sagte Wudtke. 

Aber dann: Frankreich leistete sich viele Fehler, erzielte in den letzten sechs Minuten nur noch einen Treffer, die deutsche Mannschaft kämpfte sich, angetrieben vom besten Werfer Toma Gadza (sieben Tore und eine ganz starke Leistung) abermals heran. Als Vincent Faciejew zwei Minuten vor Schluss zum 28:29 traf, schien zumindest ein Remis wieder in Reichweite. Doch die DHB-Auswahl vergab alle drei sich bietenden Chancen, nachdem auch Frankreich kein Treffer mehr gelang. Die letzte Gelegenheit vergab Faciejew mit einem direkten Freiwurf nach der Schlusssirene, der hauchdünn am Tor vorbeiflog.   

„Es hat nicht sollen sein“, sagte Wudtke, der ein Manko in seiner Mannschaft ausmachte: „Beim Remis gegen Serbien und den Niederlagen gegen Slowenien und Frankreich hat sich gezeigt, dass andere Mannschaften unter Druck weniger Fehler machen als wir. Das zog sich bislang wie ein roter Faden durchs Turnier. Dreimal ist es uns nicht gelungen, gegen starke Gegner zu gewinnen.“ Nun aber bieten sich gegen Island & Co. weitere Möglichkeiten dazu. 

Zudem sieht der Bundestrainer einen immensen Lern- und Entwicklungserfolg: „Auch wenn wir heute verloren haben, die Spieler haben zwei Schritte nach vorne gemacht. Ich glaube nicht, dass einer von ihnen schon einmal ein solch‘ intensives Abwehrspiel hatte, das war Männerhandball. Wir können noch viel lernen – und genau dafür sind Jugendturniere da, um sich, unabhängig von Ergebnissen, weiterzuentwickeln.“   

In Belgrad: Deutschland – Frankreich 28:29 (16:16) 

Deutschland: Tobias Dengler (THW Kiel), Tjorven Knackstedt (VfL Eintracht Hagen); Tim Thielicke (SC Magdeburg/2), Moritz Detlefsen (SG Flensburg-Handewitt), Claudius Beuthner (THW Kiel/1), Julius Pöthke (TSV Burgdorf/1), Finn Meißner (SG Pforzheim/Eutingen), Kalle Gaugisch (JSG Balingen-Weilstetten/2), Vincent Faciejew (THW Kiel/5/2), Elvis Ernesto Kretzschmar (SC Magdeburg), Lenn Strobel (JSG Balingen-Weilstetten/5), Julius Eisend (THW Kiel), Toma Gadza (HSV Hamburg/7), Malte Elze (SC Magdeburg/5), Constantin Minning (SG Flensburg-Handewitt), Tim Löhr (Rhein-Neckar Löwen/) – bester Werfer Frankreich: Edgar Laforce (6) 

Schiedsrichter: Danilovic/Karan (Bosnien-Herzegowina) - Zeitstrafen: Deutschland 6 Minuten, Frankreich 6 Minuten, Siebenmeter: Deutschland 3/2 – Frankreich 4/3