Am Ziel: Die DHB-Auswahl bei der Siegerehrung nach dem Finalsieg. - Foto: kolektiff
Am Ziel: Die DHB-Auswahl bei der Siegerehrung nach dem Finalsieg. - Foto: kolektiff

Deutschland macht das Gold-Double perfekt

05.07.2026 | U-Teams

 

Weibliche U20 krönt sich durch Finalsieg gegen Dänemark zum Weltmeister

351 Tage nach dem Gold-Coup von Podgorica haben Deutschlands Handball-Juniorinnen ein historisches Double geschafft. Die U19-Europameisterinnen von 2025 haben in Jinzhong die nächste, die höchste, Stufe erklommen und sind jetzt auch U20-Weltmeisterinnen. Es ist erst das dritte Mal, dass einer Mannschaft in dieser weiblichen Altersklasse der Doppelerfolg gelingt. Den letzten Schritt ging man durch einen 33:26 (15:14)-Sieg im Endspiel gegen Dänemark. „Ich hatte den Eindruck, dass wir auch heute wieder so viele Stärken hatten, auf die sich Dänemark gar nicht alle einstellen konnte. Wir haben diesen WM-Titel als Team gewonnen, aus dem alle 16 Spielerinnen wichtig sein können. Jeder hat einen überragenden Anteil an dieser Goldmedaille", war Trainer Christopher Nordmeyer überglücklich und erleichtert.

Die deutschen „Spätstarterinnen“ lagen auch diesmal zunächst hinten. Weil Dänemarks Halblinke Kristine Emilie Hoppe, die beste Torschützin der Weltmeisterschaft, in der Anfangsphase nahtlos dort weitermachte, wo sie in den Partien zuvor aufgehört hatte, lautete das Ergebnis nach sechs Minuten 2:5. Hoppe stand zu diesem Zeitpunkt bereits bei drei Treffern. Wie schnell sich der U19-Europameister danach aber auf Hoppes Qualitäten einstellte, war bemerkenswert. Deren viertes Tor (11.) sollte bereits ihr letztes sein. Damit war ein großer Schritt gemacht, besser ins Rennen zu kommen. Aufmerksam spitzelte Jana Walther in der Deckung den Ball heraus und Chiara Rohr holte im Gegenstoß die erste DHB-Führung heraus (8:7, 13.). In einer hektischen Phase und trotz einer Überzahl blieben anschließend mehrere Angriffe erfolglos. Unter anderem kassierten Lisa Lammich und Farrelle Njinkeu eine Doppelparade von Dänemarks starker Torhüterin Freja Fonseca. 

Ein super Einstand nach ihrer Einwechslung auf Halbrechts gelang Aida Mittag. Die Linkshänderin traf binnen 13 Minuten viermal, unter anderem zum 15:13 (28.). Trainer Nordmeyer: „Sie hat in dem Spiel, in dem der Widerstand am größten war, ihr bestes Spiel gemacht. Diese Leistung haben wir uns, diese Leistung hat sie sich im Laufe des Turniers erarbeitet." Das Momentum befand sich jetzt auf Seiten der Nordmeyer-Sieben. Lena Lindemann kam zwischen den Pfosten besser rein, das Gegenstoßspiel funktionierte (sechs Tore in der ersten Halbzeit) und mit nur einem Gegentor aus dem Feld zwischen der 18. und 30. Minute zeigte auch die Hintermannschaft ihre bekannte Stärke. Das Quäntchen Glück spielte ebenfalls mit. Der letzte dänische Wurf vor der Pause aufs leere Tor überquerte die Linie ein wenig zu spät, sodass Deutschland mit einem 15:14-Vorsprung in Kabine ging.

Mit mehr Fortune im Abschluss hätte das Ergebnis deutlicher sein können. Fonseca vernagelte weiterhin ihr Gehäuse. Ihre Paraden und Deutschlands Abwehr-Bollwerk hielten sich die Waage. Aller guten Dinge waren nach 40 Minuten für Schwarz-Rot-Gold 3: Hatten die ersten beiden dänischen Zeitstrafen noch wenig Erfolg eingebracht, lief es während der dritten besser. Nach zwei Lindemann-Paraden sorgte Ruslana Litvinov für die erste Drei-Tore-Führung (21:18, 43.). Dänemark nahm sofort die Auszeit und kehrte mit der siebten Feldspielerin zurück. Der erste Impuls wirkte (21:21, 46.), aber dann trafen Lena Lindemann und Laura Klocke genauso ins leere Tor wie Chiara Rohr zum 26:22 (50.).

Rechtzeitig zur Crunchtime erhöhten beide Seiten ihre Angriffseffizienz. Auf die nun vermehrt über Außen fallenden dänischen Tore fand die DHB-Auswahl mit deutlich weniger Aufwand direkt die passenden Antworten. Vor allem auf Farrelle Njinkeu war Verlass. Nach ihrer Wiedereinwechslung in der 48. Minute traf die Linkshänderin viermal eiskalt. Aktion für Aktion rückte der Titel näher. Mit Njinkeus 30:25 (55.) lag Gold bereits in der Luft und nach Chiara Rohrs Siebenmeter zum 31:25 sowie dem Gegenstoß der künftigen Bensheimerin zum 32:25 (57.) wurde allen bewusst, dass die Mission Doppel-Gold ihren krönenden Abschluss finden wird. 95 Sekunden vor der Schlusssirene klatschte sich die deutsche Bank ab, eine halbe Minute später stimmte die deutsche Fankolonie „Oh, wie ist das schön“-Sprechchöre an. Die Mannschaft hatte Historisches erreicht, nach 18 Jahren wieder den U20-Weltmeistertitel nach Deutschland geholt. Europa- und Weltmeister direkt nacheinander - das ist ein Novum für eine deutsche Nationalmannschaft.

„Dieses Doppel-Gold ist historisch und dazu gratuliere ich der ganzen Mannschaft mit dem Trainerteam um Christopher Nordmeyer herzlich. Es beeindruckt mich, wie diese Mannschaft mit dem Start der Europameisterschaft im letzten Jahr ihren Weg konsequent gegangen ist und mit ihrem Auftreten auf und abseits der Platte begeistert hat. Das spricht für eine herausragende handballerische wie auch persönliche Qualität und Ausbildung der Spielerinnen. An dieser Stelle geht auch an großer Dank an die vielen Trainerinnen und Trainer, Helferinnen und Helfer sowie die Eltern, die solche Entwicklungen entscheidend mitprägen. Diese zwei Goldmedaillen sind aber auch eine Verpflichtung für uns als DHB sowie auch für die Vereine, dass wir diese Generation in den kommenden Jahren weiter fördern müssen. Mit dem WM-Titel vergolden wir außerdem ein tolles Wochenende für den weiblichen Nachwuchshandball nach der Goldmedaille unserer U16w am Freitag bei den European Open in Göteborg. Auch hierzu schicke ich herzliche Glückwünsche an die Mannschaft mit dem Trainerteam um Carsten Klavehn", gratulierte Ingo Meckes, Vorstand Sport des DHB. Frauen-Bundestainer Markus Gaugisch zeigte sich genauso begeistert: „Herzlichen Glückwunsch an die Mannschaft und das Trainerteam. Diese Mannschaft ist vollkommen verdient Weltmeister geworden mit einer überragenden Leistung während des gesamten Turniers. Sie haben eine unfassbar gute und bewegliche Deckung gespielt. Gegen jedes System haben sie eine Antwort gefunden. Und vorne haben sie auch total cool gespielt. Herausragend und noch einmal herzlichen Glückwunsch!“

Neben Medaillen und Weltmeister-Trophäe gingen zwei besondere Individualauszeichnungen ans deutsche Team: Ruslana Litvinov wurde zum WM-MVP gewählt, Chiara Rohr auf Linksaußen ins Allstar-Team.

Deutschland: Lindemann (1), Steinecke – Walther (1), Egeling (2), Njinkeu (4), Mittag (4), Rohr (8), Litvinov (5), Lammich, Bornhardt (3/2), Kern, Niemann, Klocke (2), Tucholke (3), Ott, Goldammer.
Schiedsrichterinnen: Bruna Correa/Renata Correa (Brasilien).
Zeitstrafen: Deutschland 1 – Dänemark 3.
Siebenmeter: Deutschland 3/3 – Dänemark 2/2.