Lina Steinecke war hinter der deutschen Abwehr in der Crunchtime des Spiels gegen Spanien kaum zu überwinden. - Foto: kolektiff
Lina Steinecke war hinter der deutschen Abwehr in der Crunchtime des Spiels gegen Spanien kaum zu überwinden. - Foto: kolektiff

Die weibliche U20, wie sie leibt und lebt

30.06.2026 | U-Teams

 

Deutschland schlägt Spanien und gewinnt seine Hauptrundengruppe

Es war wie so häufig, wenn die deutsche U20-Nationlmannschaft weiblich auf einen Top-Gegner trifft: Der Start hätte durchaus besser sein können, aber auch deutliche Rückstände bringen diese Mannschaft nicht aus der Fassung. Mit bis zu sieben Toren Differenz lag sie in ihrem zweiten Hauptrundenspiel bei der Weltmeisterschaft in China gegen Spanien zurück, um das Ergebnis mit einem neuerlichen Endspurt par excellence doch wieder feiern zu können. Durch das 29:28 (13:18) gewann man seine Hauptrundengruppe. Am Donnerstag geht’s im Viertelfinale weiter. Der Gegner steht im Laufe des Tages fest. Es kann Norwegen, Ungarn oder Japan sein. „Spanien ist für mich die spielstärkste und variantenreichste Mannschaft bei dieser WM. Es ist richtig cool, sie geschlagen zu haben", so DHB-Trainer Christopher Nordmeyer.

Der Rückstand, den sich die DHB-Sieben in der Anfangsphase einhandelte, hatte viel mit der spanischen Wendigkeit und dem starken Kreisläuferspiel zu tun. Kelly Fokeng und Kadidiatou Diallo spielten ihre körperliche Überlegenheit aus. So endeten viele spanische Angriffe mit Toren aus dem Getümmel oder Strafwürfen. Nach dem achten Gegentor in nur neun Minuten zog Nordmeyer bereits die Auszeit. Lina Steinecke wehrte kurz danach erstmals einen Siebenmeter ab, aber es dauerte noch etwas, bis sich die deutsche Mannschaft richtig in die Partie biss. Acht torlose Minuten schienen den U19-Europameister anzustacheln. Plötzlich war Zug drin. Farrelle Njinkeu und Aylin Bornhardt fingen in der Deckung jetzt Bälle ab, Nordmeyers Team fand ins Umschaltspiel und Lisa Lammich, Kim Ott, Njinkeu sowie Lara Egeling verkürzten zum 12:14 (24.) - alles wieder in der Reihe. Aber die Südeuropäerinnen antworteten schnell. Mit drei trockenen Rückraumwürfen verschafften sie sich wieder Luft und gingen mit einem 18:13-Vorsprung in die Pause.

Sollte die obligatorische Aufholjagd auch diesmal wieder kommen? Die ersten Minuten nach der Pause sahen aus deutscher Sicht gut aus. Marleen Kern und Chiara Rohr per Siebenmeter trafen zum 15:18. Beide Teams brachten mit dem siebten Feldspieler eine neue Facette ins Spiel, ließen in dieser Phase aber ein wenig überhastet Chancen liegen. Auch nachdem beim Stand von 21:25 Ruslana Litvinov ein Stürmerfoul begangen und Chiara Rohr einen Siebenmeter verworfen hatte (47.), stecke Deutschland den Kopf nicht in den Sand. Lina Steinecke, am Ende als Spielerin des Spiels ausgezeichnet, legte in der Crunchtime noch einmal deutlich zu und schaffte die Basis für den Endspurt, auf den sich Schwarz-Rot-Gold einfach verlassen kann. Auch diesmal. „Wir haben die vielen überragenden Aktionen der Spanierinnen 45 Minuten lang nicht immer die richtigen Lösungen gefunden. Ab der 45. Minute haben wir in der Abwehr noch kompakter gestanden", erklärte Nordmeyer.

Deutschland befand sich inzwischen in den spanischen Köpfen, glich nach der Auszeit durch Aylin Bornhardt vom Kreis aus und ging dank Rohrs Gegenstoß zum ersten Mal in dieser Partie in Führung (26:25, 56.). Die in der Endphase überragende Steinecke zog Nerea Patino aus sieben Metern erneut den Zahn und Njinkeu stellte im Gegenzug auf 27:25. Beide Mannschaften hatten die Viertelfinal-Einzug zwar schon vor der Begegnung in der Tasche, kämpften aber trotzdem in jeder Situation um den Gruppensieg. Spanien beendete seine zwölfminütige Torflaute, glich anschließend noch zweimal aus, aber das letzte Worte hatte die Nordmeyer-Sieben. Das letzte Wort hatte Chiara Rohr. Mit drei Pässen spielten Ruslana Litvinov, Kim Ott und Aylin Bornhardt auf Linksaußen die künftige Bensheimerin frei, die zwei Sekunden vor der Schlusssirene das Tor zum fünften Sieg im fünften WM-Spiel erzielte. Nordmeyer: „Dass wir dieses Spiel noch für uns entschieden haben, ist einigen Dingen geschuldet. Vielleicht auch etwas Glück, aber das muss man sich auch verdienen. Und das haben wir."

Deutschland: Lindemann, Steinecke – Walther (3), Egeling (1), Njinkeu (4), Mittag (1), Rohr (5/1), Litvinov (3), Lammich (1), Bornhardt (5/1), Kern (2), Niemann, Klocke (1), Tucholke (1), Ott (2), Goldammer).
Schiedsrichter: Ismailj Metalari/Nenad Nikolovski (Nordmazedonien).
Zeitstrafen: Deutschland 4 – Spanien 1.
Siebenmeter: Deutschland 3/2 – Spanien 10/5.