Klasse-Start in die Hauptrunde
Deutschland lässt bei der WM auch Südkorea keine Chance
„Ich könnte mir vorstellen, dass wir in der letzten 20 Minuten von unseren körperlichen Vorteilen profitieren“, hatte Christopher Nordmeyer am Sonntag ein Tag vor dem ersten Hauptrundenspiel bei der U20-Weltmeisterschaft in China gemutmaßt. Dass seine Mannschaft gegen Südkorea aber schon gegen Ende der ersten Halbzeit deutliche Vorteile erlangt und eine nennenswerte Vier-Tore-Führung zum 16:12-Halbzeitstand herauswirft, davon war nicht unbedingt auszugehen. Schließlich hatten die Asiatinnen in der Vorrunde gegen Norwegen mit einem Sieg überrascht und auch in der Anfangsphase der Partie gegen Deutschland noch ihre Stärken ausgespielt. Aber dann ließ das DHB-Team seine Muskeln spielen und feierte nach 60 Minuten mit einem Tänzchen im Mannschaftskreis einen fulminanten 40:22-Sieg. Das ergibt schon vor dem zweiten und letzten Hauptrundenspiel am Dienstag ab 10.15 Uhr deutscher Zeit (live bei Dyn) gegen Spanien gute Aussichten auf den Einzug ins Viertelfinale. „Wir haben heute wieder einmal gezeigt, das alle Spielerinnen in unserem Team Verantwortung übernehmen können. In der ersten Viertelfinalstunde brauchten wir noch etwas Zeit, um uns auf das ungewohnte Spiel der Südkoreanerinnen einzustellen. Genau die Formation, die sich da auf der Platte befand, hat im Laufe des Spiels dazugelernt und es nach der Pause für uns entschieden", freute sich der DHB-Coach. Es zahlte sich aus, wieder dem kompletten Aufgebot das Vertrauen zu schenken.
„Südkorea spielt seine Sachen blitzsauber auf den Punkt“, hatte Nordmeyer gewarnt. So war’s auch 15 Minuten lang. Aber schon nach einer Viertelstunde rührte der U19-Europameister in der Abwehr Beton an. Nordmeyers Team blieb zehn Minuten lang ohne Gegentor aus dem Feld und hatte im Angriff in Marleen Kern, Chara Rohr, Laura Klocke, Marlene Tucholke und Co. viele Pfeile im Köcher. Der 9:3-Lauf ab Minute 18 brachte einen auf den Weg. Und nach der Pause ging es ähnlich – ja sogar mit noch deutlicher auseinanderklaffender Schere - weiter. Farrelle Njinkeu, Aylin Bornhardt und Aida Mittag steuerten in der Regel übers Tempospiel sieben Tore in sechs Minuten bei. Südkorea war auf zehn Tore distanziert (36.).
Eine in allen Belangen überlegene deutsche Mannschaft stand in der Deckung wie eine Wand, hatte mit geradlinigem Tempospiel sowie guter Spielübersicht auch im Angriff alles unter Kontrolle und zeigte bis zum Schluss die Konsequenz, die einen auszeichnet. Zwölf Spielerinnen trugen sich in die Torschützenliste ein und gingen mit gutem Quoten aus der Begegnung. Zur besten DHB-Spielerin wurde Kreisläuferin Aylin Bornhardt gewählt, die aus sechs Versuchen sechs Tore machte. Auch Marleen Kern traf im halben Dutzend bei sieben Abschlüssen.
Bemerkenswert und ein Zeichen des Vertrauens von Trainer Nordmeyer, dass Lina Steinecke die Begegnung im Tor bestreiten durfte. Erst am Samstag war die deutsche A-Jugend-Meisterin mit dem Buxtehuder SV aufgrund der Verletzung von Merle Muth nachnominiert worden. Steinecke fand trotz der langen Flugreise super ins Turnier und parierte 12 der 33 südkoreanischen Würfe auf ihr Tor. „Lina hat sich nach der Ankunft in China direkt gut gefühlt. Sie ist eine Torhüterin, die einem einfach etwas gibt, wenn sie anfängt und die sich durch nichts beeindrucken lässt. Nachdem Lena Lindemann zuletzt zwei Spiele bestritten hat, war es uns wichtig, die Belastung zu verteile, denn es stehen ja noch ein paar Partien für uns an", erklärte Nordmeyer.
Deutschland: Lindemann, Steinecke – Walther (1), Egeling (2), Njinkeu (4), Mittag (5), Rohr (4), Litvinov (1), Lammich, Bornhardt (6/2), Kern (6), Niemann (1), Klocke (5), Tucholke (3), Ott (2), Goldammer.
Schiedsrichterinnen: Heidy El Saeid/Yasmina El Saied (Ägypten)
Zeitstrafen: Deutschland 4 – Südkorea 3.
Siebenmeter: Deutschland 3/2 – Südkorea 5/4.