Noah Hensen und seine Mannschaft gaben gegen Ungarn alles, aber das entscheidende Quäntchen Power fehlte. - Mihaela Bobar
Noah Hensen und seine Mannschaft gaben gegen Ungarn alles, aber das entscheidende Quäntchen Power fehlte. - Mihaela Bobar

Medaillentraum platzt gegen Ungarn

16.07.2026 | U-Teams

 

U20 verliert im EM-Viertelfinale mit 25:27 – Jetzt gegen Spanien

Der Kampf um die Medaillen findet bei der U20-Europameisterschaft in Rumänien am Freitag und Sonntag ohne die deutsche Nationalmannschaft statt. Die DHB-Auswahl unterlag im Viertelfinale mit 25:27 (13:15) den körperlich starken Ungarn und will sich in den nun anstehenden Platzierungsspielen um die Ränge fünf bis acht noch einmal aufrappeln, um das bestmögliche Abschneiden zu erzielen. Vor einem Jahr hatte der spätere U19-Weltmeister die Ungarn im Viertelfinale in einem Krimi mit 32:31 bezwungen, nun gab es in Turda den zweiten Vergleich auf des Messers Schneide. Diesmal mit dem besseren Ende auf Seiten der Magyaren. „Die Physis, die Ungarn auf die Platte gebracht hat, fehlte uns heute im Angriff. Aber die Jungs haben aufopferungsvoll gekämpft“, fasste U20/U21-Bundestrainer Martin Heuberger zusammen.

In nahezu allen Statistiken befanden sich die beiden Dauerrivalen am Ende auf Augenhöhe: bei der Angriffseffektivität von jeweils 37 Prozent, bei den Torhüterparaden, bei den technischen Fehler, nur bei der Wurfquote sprachen die Zahlen etwas deutlicher für die Mannschaft von László Sotonyi. Und das gab den Ausschlag. Die DHB-Sieben ließ beim Abschluss ein paar Bälle mehr liegen.

Im offenen Schlagabtausch der ersten Halbzeit legte Deutschland zunächst bis zur 29. Minute mit Ausnahme des 2:3 und des 5:6 immer eine Führung vor, die das breit angelegte ungarische Angriffsspiel jedoch prompt ausglich. In den Minuten vor und nach der Pause hing Schwarz-Rot-Gold durch, sodass Ungarn aus dem 12:13-Rückstand (27.) eine 19:14-Führung machte (36.). Danach bewiesen die Deutschen eine Moral, die an die Auftaktpartie gegen Frankreich erinnerte. Vier Ballgewinne durch die jetzt hellwache Deckung, ebenso viele Gegenstöße durch Julien Sprößig und Tom Wolf sowie ein Siebenmeter von Tom Koschek sorgten für den Ausgleich. Deutschland hatte wieder Rückenwind und das Momentum auf seiner Seite. So schien es zumindest. In den Minuten danach kippten die Vorteile aber direkt schon wieder auf die andere Seite. Ungarns Schlussmann Adam Balogh bewies ein gutes Gespür für die Würfe auf sein Tor. Eine zwischenzeitliche Zwei-Mann-Unterzahl, ein verworfener Siebenmeter und die eine oder andere weitere ausgelassene 100-Prozent-Chance begleiteten Heubergers Jungs in dieser schwierigen Sequenz, an deren Ende ein 21:24-Handicap stand (54.). Aufholjagd Teil zwei: Sprößig, Leonard Zink und William Reichardt egalisierten zum 24:24, Rasmus Ankermann zum 25:25. Der Rückraum, der sich gegen die intensive ungarische Abwehr schwer tat, aus dem gebundenen Spiel zum Erfolg zu kommen, trat in der Schlussphase besser in Erscheinung. Aus der zweiten Reihe versprühte der Gegner mehr Torgefahr und Durchsetzungskraft. Bezeichnend dafür das 25:26 durch Márkó Eklemovic. Den letzten DHB-Angriff wehrte Balogh erneut ab, und gegen die offene Manndeckung fand Ungarn den Durchbruch, den Máté Fazekas mit dem Tor zum 25:27-Endstand aus deutscher Sicht abschloss. 

„Ungarn hatte heute mehr Power. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass wir eine anspruchsvolle Vorrundengruppe hatten, in der wir einige Körner gelassen haben. Uns fehlten die letzte Stabilität und Körperlichkeit“, so der Bundestrainer. „Ungarn ist zunächst motivierter ins Spiel gegangen und hat den Kampf besser angenommen. In der Endphase gab es bei uns leider zu viele Fehlwürfe und technische Fehler, sodass wir verdient verloren haben“, analysierte Torhüter Finn Knaack, der 17 Würfe auf sein Tor abwehrte.

„Auch wenn die Niederlage schmerzt, darf diese die Mannschaft nicht umwerfen“, wünscht sich Heuberger. Schon am Freitag steht das erste Spiel in der Platzierungsrunde um die Positionen fünf bis acht an. Ab 18.30 Uhr deutsche Zeit (live im kostenpflichtigen Stream bei www.ehftv.com) kommt es zur Neuauflage des WM-Finales von 2025 gegen Spanien. Die Iberer mussten sich Slowenien mit 23:30 geschlagen geben. Neben Ungarn und Slowenien stehen Dänemark (36:29 gegen die Schweiz) und Schweden (39:28 gegen Frankreich) im Halbfinale. „Wir werden den Frust in Motivation umwandeln und diese mit ins Spiel gegen Spanien nehmen“, kündigte Finn Knaack an.

Deutschland: Knaack, Durmic – Koschek (8/5), Kleinsteuber, Zink (2), Rohwer, Voß (1), Ankermann (1), Reichardt (1), Gauer, Hensen, Hein (2), Strobel (4), Sprößig (5), Wolf (1), Willax.
Schiedsrichter: Marion Kull/Alvar Tint (Estland).
Zeitstrafen: Deutschland 3 – Ungarn 4.
Siebenmeter: Deutschland 6/5 – Ungarn 2/0.