Neue Förderstruktur im DHB-Schiedsrichterwesen
Entwicklungskader vereint künftig Nachwuchskader und Spitzenförderung der 3. Liga
Neue Förderstruktur im Schiedsrichterwesen des Deutschen Handballbundes: Der neu geschaffene Entwicklungskader vereint ab der Saison 2026/27 den Nachwuchskader und die Spitzenförderung der 3. Liga. „Nach einer eingehenden Evaluierung der bisher bestehenden Kaderstruktur haben wir uns entschieden, eine Anpassung vorzunehmen, um die strukturellen Lücken zu schließen, die den Aufstieg in den Bundesligakader bisher erschwert haben“, sagt Marc Fasthoff, Senior Manager Schiedsrichterwesen im Deutschen Handballbund.
Der höchste Schiedsrichter-Kader im Deutschen Handballbund ist der Elitekader. Das Sprungbrett in die Top-Riege ist der Elite-Anschlusskader, dessen Schiedsrichter-Teams gezielt für die 1. Bundesliga und mögliche internationale Berufungen aufgebaut werden. Für den Elite-Anschlusskader qualifizieren sich die Unparteiischen über den Bundesligakader, aus dem die 2. Bundesliga der Männer sowie 1. und 2. Bundesliga der Frauen besetzt werden.
In den Bundesligakader gab es bisher parallel zwei mehrstufige Wege: über den Nachwuchskader oder die 3. Liga. „Der Sprung aus der 3. Liga in den Bundesligakader erforderte bislang den Wettbewerb mit bis zu 50 anderen Teams – ohne gezielte Vorbereitung auf das nächsthöhere Niveau“, erklärt Fasthoff. „Die Teams, die es aus dem Perspektivkader über den Nachwuchskader in die Bundesliga geschafft haben, kamen wiederum mit einem anderen Hintergrund und anderen Erfahrungen. Das hat zu einer großen Heterogenität geführt, die nicht förderlich für das Niveau und die individuelle Entwicklung der Teams waren.“
Künftig wird der neue Entwicklungskader der einzige Weg in den Bundesligakader sein. In dem Entwicklungskader werden die Topteams der 3. Liga und die Topteams aus dem Perspektivkader gezielt auf die Anforderungen im Bundesligabereich herangeführt. Fasthoff: „Damit bündeln wir die Teams, in denen wir das Potenzial für die Bundesligaebene sehen, in einem Kader. Wir können sie besser fördern und sehen sie zudem im direkten Vergleich.“
In der Saison 2026/2027 werden insgesamt sieben Schiedsrichter-Teams dem neuen Kader an. Zu den Nachwuchskader-erfahrenen Teams Janica Büschgens/Kim Büschgens, Philipp Etzold/Lennard Zerlin sowie Denis Seidler/Dustin Seidler stoßen Paolo D'Oria/Julius Hlawatsch und Robert Mischock/Christopher Riebesam aus dem Perspektivkader sowie Mandana Khalil/Elfi Oliger und Peter Abel/Christian Herpolsheimer aus dem Drittliga-Kader.
Die disziplinarische Verantwortung für den Entwicklungskader liegt bei Thore Poguntke, dem Schiedsrichterwart der 3. Liga. Er wird in enger Absprache mit dem Profibereich und der Unterstützung durch David Hannes (Lehre) und Jörg Berning (Ansetzungen) den Kader führen. „So schaffen wir für diesen Kader eine enge Verzahnung von Praxis, Coaching und Lehre, um die Schiedsrichter-Teams optimal auf höhere Aufgaben vorzubereiten“, sagt Fasthoff.
Die Schiedsrichter-Teams des neuen Kaders werden sowohl in der 3. Liga als auch in der 2. Bundesliga den Frauen eingesetzt und erhalten je nach Entwicklungsstand Spiele in der 2. Bundesliga der Männer, eng begleitet von gezielten Coachingmaßnahmen. Zusätzlich zu den normalen Lehrgängen und Online-Calls mit dem Lehrstab wird sich der Entwicklungskader zu weiteren gezielten digitalen Fördermaßnahmen versammeln.
Für Schiedsrichter-Chefin Jutta Ehrmann spielt der neue Entwicklungskader eine große Rolle, um ein einheitliches Fundament für den Bundesligabereich zu legen und die Weichen für einen mittel- bis langfristigen Aufstieg in den Elitekader zu stellen. „Wir wollen die Teams im Entwicklungskader gezielt fördern – und fordern dafür die notwendige Professionalität“, betont die frühere Spitzenschiedsrichterin. „Nur wer bereit ist, den Weg konsequent mit uns zu gehen, bleibt dabei. Es darf sich niemand darauf ausruhen, es in den Entwicklungskader geschafft zu haben – im Gegenteil: Für die Teams im Entwicklungskader beginnt die harte Arbeit.“
Sie ist überzeugt, dass sich die Neustrukturierung des Fördersystems in den nächsten Jahren auszahlen „Mit der neuen Kaderpyramide haben wir den Weg in den Spitzenbereich klar definiert und schaffen einen fairen und sportlichen Wettkampf für alle talentierten Schiedsrichter-Teams“, betont sie. „Wer es in die Bundesliga schaffen will, muss sich den gleichen Anforderungen stellen wie alle anderen auch. Die Implementierung des Entwicklungskaders ist ein richtungweisender Schritt für die Zukunft des deutschen Schiedsrichterwesens.“