Erwin Porzner 90. Geburtstag
Foto: Privat-Sammlung Porzner

Schon mit 24 Deutscher Meister als Spieler-Trainer

07.01.2026 | Verband

 

Doppel-Weltmeister und DHB-Kapitän Erwin Porzner vollendet am 8. Januar sein 90. Lebensjahr

Er wurde 1959 erstmals Weltmeister im Feldhandball und darf sich seit 1966 sogar „ewiger“ Weltmeister nennen: Erwin Porzner, der Kapitän der Nationalmannschaft des Deutschen Handballbundes (DHB), die bei der 7. und letzten Weltmeisterschaft im Feldhandball in Linz (Österreich) den „ewigen“ Titel errang, vollendet am Donnerstag, 8. Januar 2026, sein 90. Lebensjahr. 

Erwin Porzner entstammt einer „einmaligen“ Handballfamilie aus Ansbach (Mittelfranken): Zusammen mit seinen älteren Brüdern Dr. Helmut (1932-2007), Konrad (1935-2021) und seinem jüngeren Bruder Heinz (geb. 1938) bildete er den vierköpfigen „Stamm“ der Handball-Mannschaft des TSV 1860 Ansbach. Mit ihr wurde Erwin erstmals 1960 – passend zum 100. Geburtstag des Vereins – Deutscher Meister im Feldhandball nach einem 10:9-Sieg gegen den TuS Lintfort in Oberhausen und zwei Jahre später noch einmal nach einem 9:8-Sieg gegen Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden) in Nürnberg (vor rund 30.000 Zuschauern!).  

Diese Erfolgsbilanz ist einmalig in der Geschichte des deutschen Handballs und des Mannschaftssports insgesamt: Vier (!) Brüder werden gemeinsam zweimal Deutscher Meister – und das in einem ganz jungen Team mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren. Auch dieses Durchschnittsalter dürfte einmalig für eine Mannschaft sein, die je Deutscher Meister wurde. Der jetzt 90-jährige „Porzner III“ gilt dabei mit seinen damals 24 Jahren als (vermutlich) jüngster „Meister-Spieler-Trainer“ aller (Handball-) Zeiten. 

Erwin Porzner gehörte schon 1959 bei der Feldhandball-Weltmeisterschaft ebenfalls in Österreich zum Aufgebot der „gesamtdeutschen“ Mannschaft mit je acht Spielern des Deutschen Handballbundes (DHB) der BRD und des Deutschen Handballverbandes (DHV) der DDR. Das „gemischte“ Team errang im Finale am 21. Juni 1959 in Wien mit 14:11 (6:6) gegen Rumänien den WM-Titel. Vier Jahre später in Basel unterlag das DHB-Team im Finale vor 14.000 Zuschauern der DDR mit 7:14 (2:9) – Porzner war mit vier Treffern der erfolgreichste Werfer des DHB. 

Bei der letzten Weltmeisterschaft 1966 in Österreich gab es dagegen kein Finale mehr: Es wurde mit sechs Ländermannschaften in Turnierform „jeder gegen jeden“ gespielt: Am Ende hatte das DHB-Team mit Kapitän Porzner bei Punktgleichheit das bessere Torverhältnis gegenüber der DDR, nachdem sich zuvor beide vor 10.000 Zuschauern 15:15 getrennt hatten. Porzner erzielte dabei den 15:14-Führungstreffer (unser Bild aus der „Privat-Sammlung Porzner“).  

Der beruflich in der bayerischen Staatsverwaltung tätige Jurist Porzner darf sich seitdem „ewiger“ Weltmeister in einer Sportart nennen, die es so heute nicht mehr gibt. Als Rechtshänder spielte er vorzugsweise im Angriff auf „Halbrechts“ mit der Rückennummer 8. Seine stets mannschaftsdienliche Spielweise und seine Spielübersicht waren die Voraussetzungen, sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft die Funktion eines Spielmachers zu übernehmen. In Länderspielen galt Erwin als verlängerter Arm von DHB-Bundestrainer Werner Vick (1920-2000). Bis zur Corona-Pandemie trafen sich unter seiner Regie die „ewigen“ 66er-Weltmeister und nach der Wende ab 1990 ebenso die „gesamtdeutschen“ Weltmeister von 1959 einmal pro Jahr, um über gemeinsame alte Handballzeiten zu plaudern.  

Der Jubilar ist mit seinen 33 Einsätzen auf dem Feld „ewiger“ DHB-Rekordnationalspieler. Erwin Porzner trug zwischen 1956 und 1968 insgesamt 40-mal die damals vornehmlich weiße DHB-Spielkleidung. Dabei warf er insgesamt 93 Tore – zuzüglich der Treffer aus zwei „inoffiziellen“ Begegnungen gegen die spanische Nationalmannschaft. Diese Spiele hatten folgenden Hintergrund: Anlässlich der 63. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Madrid im Oktober 1965 kam es zu zwei sog. Demonstrationsspielen. Das DHB-Team sollte auf Initiative von DHB-Gründungspräsident Willi Daume (1913-1996) die IOC-Mitglieder davon überzeugen, Hallenhandball in das olympische Programm aufzunehmen.  

Die Spiele gegen Spanien endeten 27:27 und 24:23. „Dabei ging es nicht um das Ergebnis, vielmehr wurde Wert darauf gelegt, den Mitgliedern des IOC-Kongresses die Schönheit, die Schnelligkeit und die Athletik des Spiels durch spektakuläre Ballaktionen überzeugend zu präsentieren“, erinnert sich Porzner heute an diese beiden Partien, die ihn zum „Geburtshelfer“ des olympischen Hallenhandballs machten. Bei der Hallen-Premiere in München 1972 selbst war Erwin Porzner schon in seinem Amt als Männer-Spielwart des DHB unter Bundestrainer Werner Vick tätig und begleitete dessen Nachfolger Prof. Horst Käsler (1926-1987) auch 1974 zur Hallen-WM in die DDR. 

Erwin Porzner war so ganz nebenbei während seines Studiums dreimal mit der Uni Erlangen-Nürnberg Deutscher Hochschulmeister (1956 und 1958 in der Halle und 1959 auf dem Feld) im Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (adh). Er blieb „seinem“ Handballsport auch nach der Karriere weiter eng verbunden, und zwar hauptsächlich regional: Im Bayerischen Handballverband (BHV) amtierte er 37 Jahre als Lehrwart und feierte als Trainer große Erfolge: Mit den Frauen des 1. FC Nürnberg wurde er je einmal Deutscher Meister auf dem Feld (1968) und in der Halle (1969). Der BHV hat Porzner 2005 mit dem Gerd-Fischer-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Das Silberne Lorbeerblatt erhielt er für den Weltmeistertitel 1959, für den von 1966 gab es von Bundespräsident Heinrich Lübke (1894-1972) sogar ein Bild mit persönlicher Widmung. 

Aus der Familie Porzner gib es weitere sportliche Erfolge zu vermelden: Der Enkel des Jubilars, Manuel Porzner, wurde 2013 bei der Junioren-Weltmeisterschaft im Bahnradfahren Weltmeister und zwei Jahre später Vize-Weltmeister sowie zweimal deutscher Meister bei den Junioren und im Zeitfahren bei der U 23. Seinen runden Geburtstag verbringt Erwin Porzner gemeinsam mit Ehefrau Inge „außer Haus“. Beide sind in diesem Tagen genau 65 Jahre verheiratet. Die Geburtstagsfeier in der sportlichen Familie mit den drei Kindern, neun Enkeln und einem Urenkel findet dann ein paar Tage später in Ansbach statt. Vorstand und Präsidium des DHB schließen sich den zahlreichen Glückwünschen zum 90. Geburtstag des Doppel-Weltmeisters Erwin Porzner an. 

(Prof. Dr. Detlef Kuhlmann)