U20 zieht mit Abwehrschlacht in die Hauptrunde ein
Deutscher EM-Bestwert beim 24:21 gegen Portugal
Der frühzeitige Einzug in die Hauptrunde der Europameisterschaft in Rumänien ist der Lohn für den zweiten Sieg im zweiten Spiel der deutschen U20-Nationalmannschaft männlich. Und: Sie wird unabhängig vom Ausgang des Vorrunden-Abschlussspiels zwischen Frankreich und Portugal zwei Punkte in die zweite Turnierphase mitnehmen. 24 Stunden nach dem 31:30 gegen Frankreich behielt man gegen Portugal mit 24:21 (12:7) die Oberhand. Die Mannschaft von Martin Heubeger, Alexander Koke und Daniel Sdunek feierte gegen die Iberer einen Start-Ziel-Sieg, der trotzdem ein hartes Stück Arbeit war. Die DHB-Sieben lag zu keinem Zeitpunkt hinten. „Wir haben heute eine Abwehrschlacht für uns entschieden. Wenn mir vor dem Turnier jemand gesagt hätte, dass wir nach zwei Spielen schon die Hauptrunde erreichen, hätte ich sofort unterschrieben“, sagte Heuberger.
Bei nur 21 Gegentoren, die die beiden Torhüter Finn Knaack und Anel Durmic (Heuberger: „Beide ergänzen sich sehr gut“) durch eine starke Zusammenarbeit mit der Deckung kassierten, war die Abwehr das Prunkstück des Tages. Deshalb wurde Knaack durch die EHF auch zum besten deutschen Spieler der Partie gewählt. Zwei seiner wichtigen Paraden nach 51 Minuten trugen dazu bei, dass sich Deutschland nach einer schwierigeren Phase wieder berappelte. Ähnlich wie gegen Frankreich gab’s gegen Mitte der zweiten Halbzeit einen Hänger. Zwischen den 17. Tor durch Bennet Strobel und dem 18. durch Hans-Lukas Willax lagen zehn Minuten. Das nutzten die Südeuropäer, um von 12:17 zum 16:17 aufzuschließen (50.). Die Nervenstärke zeichnete Heubergers Sieben genauso wie der breite Kader aus. Erlangens EM-Neuling Willax brachte in der Endphase noch einmal viel Bewegung an den Kreis, auch Johan Rohwer setzte von Halblinks neue Akzente, sodass hinten heraus die entscheidende Lücke entstand. „Wir konnten durch die Breite in unserem Kader das Level hochhalten“, beobachtete Heuberger.
Diese Ausgeglichenheit zahlte sich schon zu Beginn aus. In Monty Kleinsteuber sowie Anton Voß auf den Außen und Leonard Zink auf Halbrechts begannen gegenüber dem Frankreich-Spiel drei andere Spieler. Vor allem die Außen stachen in der ersten Halbzeit, auf deren Konto sechs von neun Feldtore gingen, hinzu kamen drei Siebenmeter von Tom Koschek. Zwölf eigenen Toren standen nach 30 Minuten nur sieben (!) portugiesische gegenüber. Ein historischer Wert. Noch keine deutsche U20-Nationalmannschaft hat in der immerhin seit 1996 andauernden Europameisterschafts-Geschichte in einer Halbzeit so wenige Gegentore zugelassen. Der bisherige Bestwert datierte aus dem Jahr 2014. Damals waren es im zweiten Durchgang acht Gegentore gegen die Slowakei. „Es war grandios, wie wir in der Abwehr agiert haben. Gegen die spielstarken Portugiesen hatten wir auf alles eine Antwort“, analysierte Heuberger. Die DHB-Hintermannschaft machte den Gegner ratlos, der zur Pause mit einer Angriffseffizienz von 17 Prozent einen selten niedrigen Wert erreichte.
Im zweiten Abschnitt lieferten sich Rasmus Ankermann und Rafael Oliveira zunächst ein Wettschießen. Portugal kam nun besser zum Abschluss, aber der U19-Weltmeister hatte trotzdem alles unter Kontrolle. Zumindest bis zum 16:10 (37.). Die anschließende Formdelle in einer zerfahrenen Sequenz mit vielen Zeitstrafen brachte noch einmal Spannung in die Begegnung. Portugal sah seine Chance auf den zweiten Sieg, aber Knaacks Paraden, die frischen Kräfte von der Bank und gute Nerven ließen Deutschland jubeln.
Nach dem spielfreien Freitag schließt man am Samstag ab 11 Uhr die Vorrunde gegen Griechenland ab, das gegen Frankreich mit 27:31 verlor. „Wir wollen versuchen noch mehr Konstanz in unser Spiel zu bringen und werden aber auch gezielt die Einsatzzeiten verteilen“, kündigt der Bundestrainer an.
Deutschland: Knaack, Durmic – Koschek (5/3), Kleinsteuber (3/1), Zink, Rohwer (2), Voß (3), Ankermann (4), Reichardt (1), Gauer, Hensen (1), Hein, Strobel (3), Sprößig, Wolf, Willax (2).
Schiedsrichter: Davor Loncar/Zoran Loncar (Kroatien).
Zeitstrafen: Deutschland 7 – Portugal 4.
Siebenmeter: Deutschland 6/4 – Portugal 4/1.